Review: Tuxedo Infinity Book Pro 13 (Max)

Ich rate allen Lesern zuerst Marius Review anzusehen.

Das Infinity Book Pro und ich waren zusammen schon echt lange unterwegs. Seit unserem Besuch bei Tuxedo Computers, war es mein ständiger Begleiter durch dick und dünn. Wir haben zusammen gelernt, programmiert, im Regen gestanden, Stunden im Zug und im Flugzeug verbracht, in praller Sonne gehockt, gedockt an einen Bildschirm gearbeitet und vieles mehr.

Hardware

Gehäuse

Das matt schwarze Gehäuse sorgt von außen betrachtet für einen flotten Look, hat jedoch Probleme mit Fingerabdrücken, die sich nach längerer Benutzung auf der dunklen Außenseite relativ stark sichtbar machen.

Grundsätzlich wirkt das Gerät aber überraschend dünn und sehr stabil in zugeklappten Zustand.

An der Stabilität des Rahmens gibt es nichts auszusetzen, lediglich die Biegbarkeit des Displays könnte irgendwann zu Problemen führen.

Im aufgeklappten Zustand erfreut das silberne Finish, welches immun gegen Fingerabdrücke zu sein scheint, und erspart somit viel Pflegebedarf. Allerdings färbt die Oberseite ab und hinterlässt schwarze Schlieren auf dem Gerät, das gleiche Problem wie beim Vorgängermodell.

Leider lässt sich das Notebook nicht über ca 120° aufklappen, also ist die Benutzung in besonders engen Umgebungen, wie Flugzeugsitzen usw, eher unangenehm.

Touchpad

In meinen Augen groß genug, jedoch zeigt sich die Steuerung teilweise recht eigensinnig. Erkennt manchmal Klicks wo keine waren und es gestaltet sich auch überraschend schwierig bei der unteren Leiste die richtige Maustaste zu erwischen.

Tastatur

Eines der Highlights dieses Geräts, fühlte sich auch nach viel Tipparbeit noch gut an und ermöglicht dank der 5 stufigen Hintergrundbeleuchtung auch angenehmes Arbeiten in der Nacht. Vollwertig und auch mit kompletten Nummernblock über fn-Taste.

Display

Klassisches 16:9 1920*1080 Display, aber in matt. Für meine Augen sehr angenehm, und genau die richtige Auflösung für 13“ Laptops, da dort unter Linux die Skalierung in den meisten Distributionen noch funktioniert. Die Helligkeit lässt sich fein justieren.

Webcam

Ausreichend für Videotelefonie. Bei der Webcam handelt es sich um eine Windows Hello Kamera, diese spezial Login Funktion ist jedoch eher schwer nachzustellen unter Linux.

Mikrofon

Nicht gut, fiept und rauscht im Takt mit dem Lüfter und ist nur bei ganz unempfindlichen Anrufspartnern verwendbar. Das war auch schon beim Vorgängermodell eines der größten Mankos und scheint auch weiterhin keinerlei Beachtung zu finden.

Lautsprecher

Sehr viel besser als beim Vorgänger, aber immer noch eher die untere Klasse Laptoplautsprecher. Das Scheppern vom Infinity Book (dem Vorgängermodell, nicht dem jetzigen) ist größtenteils ausgemerzt, trotzdem ist der Sound immer noch unklar und eher unangenehm.

Anschlüsse

2*USB 3.1 Typ A, 1* USB 3.1 Typ C, Displayport, HDMI, SD Kartenslot, Kensington Lock, getrennte Kopfhörer und Mikrofon Klinken Buchse und Ethernet Port.

Die getrennten Ports finde ich eher störend als praktisch, da man ja meist ein Headset anstatt eines Kopfhörers verwenden muss um dem schrecklichen Mikro zu entgehen.

Die Typ C Buchse unterstützt Speedcharging von angeschlossenen Endgeräten, leider noch eher weniger vertreten in der realen Welt.
Aufladen kann man den Laptop über USB-C jedoch nicht.

Sehr dankbar war ich für den Ethernetanschluss, ohne den für mich ein Laptop nicht benutzbar wäre. Dieser hat zwar eine relativ schnell ausleiernde Klappe, hat aber bei mir sehr gut gehalten.

Alle Anschlüsse in Benutzung. Man merkt schnell das 2 Typ A USB Connectoren nicht lange reichen.

CPU

An der i7 Kabylake CPU lässt sich einfach nichts aussetzen, keinerlei Probleme mit der Performance für Software Compilation usw. In meinen Augen ist sie das stärkste Kaufargument für diesen Laptop.

GPU

Die integrierte Grafik ist erwartungsgemäß untauglich für anspruchsvollere Anwendungen, oftmals wird der Lüfter schon angeworfen um Videos abzuspielen, was eigentlich nicht mehr standesgemäß sein sollte. Die Leistung der internen Grafik stieg bei mir stark, mit neueren Mesa Versionen.

Akkulaufzeit

Die angegebenen Laufzeiten auf der Website habe ich nie erreichen können, bei dauerhafter Benutzung schaffe ich es im Durchschnitt 4h aus dem Gerät herauszuholen.

Bei On-Off Gebrauch mit zwischenzeitlichem Zuklappen hält der Laptop einen Arbeitstag mit viel rumgereise aus, aber eher knapp. Am Anfang meiner Testphase war die Akkuleistung noch niedriger, da in den ursprünglichen Kernelversionen von Ubuntu 16.04 oftmals der Standby nicht funktionierte, und der Laptop auch noch in der Tasche weiterlief.

Software

Wenn ihr vorhabt euer Infinity Book Pro mit normalem Ubuntu/anderes Linux zu nutzen, kann ich euch vorwarnen, dass die Flugmodus-Funktionstaste keinerlei Effekt zeigt. Ansonsten sehe ich keinen Grund nicht „normale“ Linux Distributionen zu nutzen. Vor Kernelversion 4.10 konnte ich noch einige Probleme beim Schlafmodus feststellen, jedoch sollten diese mit 16.04.3 behoben sein, weswegen ich diese Version empfehle.

Meine Probleme mit Tuxedo Xubuntu

Tuxedo liefert seine Laptops standardmäßig mit Tuxedo Xubuntu aus, von dem ich abraten muss. Tuxedo Xubuntu wird installiert über die von Tuxedo modifizierte WebFAI (Fully Automatet Installation). Den Quellcode der angepassten WebFAI haben sie nicht verlinkt, von daher gehen wir davon aus das es im Endefekt dem normalen FAI Code entspricht mit dem Tuxedo Skript im Anhang.

Die Installation (die bei gekauften Produkten natürlich schon davor geschieht) dauert je nach Internet Leitung von 20 min bis zu mehreren Stunden. Auch funktioniert sie nicht über drahtlose Verbindungen.

Bei der Installation wird ein Skript ausgeführt welches ein normales Ubuntu in Tuxedo Xubuntu verwandelt. Dabei wird das Tuxedo Paketarchiv eingebunden, welches einige default Pakete aus Ubuntus Repos überschreibt und einige neue hinzufügt.

Die Tuxedo Pakete

Darunter gibt es harmlose, wie ein Wallpaperpaket und ein Icon-Theme, aber auch eigens gepflegte Versionen von Cinnamon führ ihrenen Ubuntu Cinnamon Spin, ein Fernwartungs Softwarepaket, einen eigenen Plymouth Bootscreen, DKMS Module für Wlan Treiber und ihre eigene Version eines X-Keyboard Pakets, voraussichtlich um Tastaturen anzupassen.

Die meisten Pakete sind „geklaut“ aus den Archiven von Linux Mint, hinken aber schon einige Versionen dem Upstream hinterher. In meinen Augen ein mögliches Sicherheitsrisiko.

Außerdem noch ihre eigene Kernelversion, die anscheinend alle 3 Monate von Upstream neu kompiliert wird (zur Zeit noch 4.11). Als Grund für die „Verzögerung“ gibt Tuxedo ihre Hardwaretests an. Ihre Kernel haben außerdem einen Mangel an den Canonical eigenen Kernelpatches, was unweigerlich z.B zur Unnutzbarkeit von Snappy führt, sowie Problemen bei Virtualbox und allen anderen DKMS Modulen. Laut Tuxedo wird an der Snappy Front gearbeitet. Außerdem sollten die meisten Snappy Apparmour Patches in Kernel 4.13 gelandet sein, was Upstream Kernel dazu bringen sollte mit Snappy zu funktionieren.

Die Sicherheitsimplikationen eines mehrere Monate nicht gepatcheten Kernels sind schwerwiegend und nicht wegzudiskutieren, und in meinen Augen das gefährlichste Paket das Tuxedo per default installiert.

Keine Ermutigende Updatefrequenz

 

Die meisten restlichen installierten Zusatzpakete sind unbedenklich und kommes aus den Ubuntu Main Archiven. Kritisch finde ich aber die Inklusion der Pakets Laptop-Mode-Tooles, das u.a. die Batterielaufzeit eines Laptops verbessern kann durch Anpassung der Diskgeschwindigkeit und des Einhängen der Partitionen. Das klingt zwar gut, aber das Paket befindet sich aus gutem Grund nicht im Standard Ubuntu vorinstalliert, da es bei einen Systemabsturz alle Dateien die in den letzten 10min bearbeitet wurden verlieren kann. Tuxedo weiß davon, schätzt aber das Risiko geringer als die Batterie Laufzeit Zugewinne.

Alle diese Pakete werden ohne Angabe von Quellcode Repos angeboten!

Nur für die von Tuxedo selbstgebauten Pakete (Icon Themen, ein Fork von Laptop-Mode-Tools) gibt es auf ihrem Github den Code. So wie ich das sehe, fehlt damit bei Tuxedo Xububtu der Quellcode für:

  • Die geforkten Linux Mint Pakete
  • Ihren verwendeten Kernel
  • Den restlichen Paketen aus ihrem Repo, bis auf Laptop-Mode-Tools und die Themes, die auf Github verlinkt sind… Eigentlich gehört sowas in ein Quellcode Repo..
  • Die WebFAI, deren Code zumindest nirgends verlinkt ist
  • Eigentlich so ziemlich alle Pakete die Tuxedo eigenhändig hinzufügt..

Das ist nicht wirklich opensource.

Fazit

Der Laptop hat mich lange treu begleitet, und hat auch immer zufriedenstellend funktioniert (nachdem ich normales Ubuntu von Ubuntu.com installiert habe). CPU, Tastatur und matter Bildschirm sind für mich ein Highlight, und die Akkulaufzeit reicht meistens. Die Lautsprecher und Lüfter können schnell nerven, und im gedockten Zustand wird es mit nur zwei Typ A Buchsen schnell eng. Legt euch für Homeoffice lieber ein separates Dock zu.

Ach ja, und ein bisschen mehr Flexibilität beim Aufklappwinkel wäre auch nicht schlecht, da wirds auf engen Räumen teilweise echt knapp 😉

Von Tuxedo Xubuntu muss ich leider abraten, nehmt lieber das Original.

 

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